Kirche und Konvent

Einander auf Augenhöhe begegnen und einander achten, weil ein jeder Gottes Tempel geworden ist – miteinander den Glauben und das Leben teilen und feiern – einander zum Sein ermutigen, wie es dem Willen Gottes entspricht, und unterwegs zu ihm sein, auf unterschiedlichen Wegen und doch gemeinsam: Was für die Augustinerkirche gilt, prägt auch unser Leben als Augustiner. Zum gemeinsamen Leben haben wir uns zusammengeschlossen, um „wie ein Herz und eine Seele auf dem Weg zu Gott“ zu sein, wie es am Beginn unserer Regel heißt. Eines wird daran deutlich: Wir sind mit unserer Suche nach Gott noch lange nicht am Ende! Wenn überhaupt, dann lässt er sich hier und da erahnen. Ein Raum dieser Suche nach Gott und oft auch des Findens ist die Augustinerkirche für uns – und hoffentlich auch für Sie.

Augustiner in Würzburg

In unserem Kloster neben der Augustinerkirche, etwas verborgen hinter den Geschäftshäusern am Dominikanerplatz, leben zur Zeit 25 Brüder, die sich auf zwei Gemeinschaften – Konvente sagen wir dazu – aufteilen. Auf knapp 30 Jahre bringt es der jüngste, auf über 95 der älteste. Eine ganz schöne Vielfalt kommt da zusammen! So unterschiedlich das Lebensalter ist, so unterschiedlich sind auch die Lebensgeschichten, Begabungen und Tätigkeiten der Mitbrüder.

Im Konvent St. Augustin leben die Brüder, die in der Ausbildung und voll im Arbeitsleben stehen. Sie tragen auch die Hauptverantwortung für die Augustinerkirche und die Pastoral dort, ebenso die für die Leitung des Klosters und seine materiellen Belange. Einzelseelsorge und Gottesdienste, Menschenrechtsarbeit und Sorge für Flüchtlinge, die Ökonomie für das Kloster und die ganze deutsche Augustinerprovinz gehören ebenso zu den Arbeitsfeldern wie die wissenschaftliche Theologie. Und wer für seine Veröffentlichungen, seien sie analog oder digital, ein cooles Design braucht, wird auch bei uns fündig – wie man hoffentlich sieht …

In St. Thomas, unserem Seniorenkonvent, leben die Mitbrüder, die es aufgrund ihres Alters etwas ruhiger angehen lassen können – oder muss es heißen: könnten? Denn viele der Brüder sind nach wie vor tätig und aus den Abläufen im Haus nicht wegzudenken: in der Kirche, im Beichtstuhl, in der Schneiderei, an der Pforte und an vielen weiteren Stellen. Was in einem so großen Haus alles zu tun ist und von unseren „Senioren“ getan wird, merkt man oft erst, wenn einer einmal ausfällt. Die Brüder, die auf Pflege angewiesen sind, finden diese in unserer Pflegestation und können so auch ihren Lebensabend daheim im Kloster verbringen.

Augustiner in Deutschland

Das Kloster in Würzburg gehört zur bayerisch-deutschen Provinz des Augustinerordens und ist deren größtes Haus; daher hat auch der Provinzial, der auf vier Jahre von den Brüdern gewählte Leiter der Provinz, hier seinen Sitz. Neben Würzburg gibt es Augustiner in Deutschland auch in München-Planegg, in Münnerstadt und Fährbrück in Unterfranken, in Germershausen auf dem Eichsfeld, in Erfurt und in Berlin. Einige Brüder der deutschen Provinz sind in Rom an der Generalkurie, dem Hauptsitz des Ordens, tätig und unterstützen dort den Leiter des Gesamtordens, den Generalprior. Denn Augustiner gibt es natürlich nicht nur in Deutschland: In mehr als 40 Ländern sind insgesamt gut 2600 Augustiner tätig. Mehr über die deutschen Augustiner und über die übrigen Konvente in Deutschland erfahren Sie auf der Homepage der Provinz.

Augustiner sein – etwas für mich?

Keiner von uns ist als Augustiner geboren worden. So verschieden, wie wir Augustiner sind, so verschieden waren auch die Wege und die Sehnsüchte, die uns ins Kloster geführt haben – und denen wir im Kloster nach wie vor auf der Spur sind. Am Anfang stand meistens eine Begegnung mit Augustinern, und irgendwann stand dann die Frage im Raum: Könnte das auch etwas für mich sein? Das zeigt: Was unser Leben ausmacht und wie es Tag für Tag ausschaut, augustinisch zu leben, das kann man nur schwer beschreiben. Einfacher ist es, uns kennenzulernen. Wer sich fragt, was es mit augustinischem Leben auf sich hat, der nimmt am besten mit uns Kontakt auf. Möglichkeiten zur Begegnung gibt es viele: ein Gespräch, ein Besuch in einem unserer Klöster … Vielleicht führen diese Begegnungen dann ja auch zur Frage: Könnte das etwas für mich sein?

Augustinus – ein unruhiger Geist auf der großen Suche nach dem Glück

Vieles hat Augustinus (354–430) in seinem Leben ausprobiert: Beruf und Karriere, Freundeskreise und obskure Gemeinschaften, Liebesbeziehungen und Familie, das zurückgezogene Leben in der Gemeinschaft des Klosters und den aktiven Dienst in der Kirche – eines aber ist immer gleich geblieben: Zufriedengegeben mit dem, was er hat, hat er sich nie, sondern er hat unermüdlich nach dem Glück gesucht, dem wahren, dem bleibenden. Und als er erkannt hat, dass das große, wirkliche Glück nur in Gott gefunden werden kann, dann ist ihm das nur neuer Anreiz, tiefer zu suchen: „Auf dich hin hast du den Menschen geschaffen, und ruhelos ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir …“ (Bekenntnisse 1,1). Alleine aber kann und will er sich nicht auf diese Suche machen – wer will schon für sich allein glücklich werden? Darum hat er Menschen um sich, die mit ihm unterwegs sind. Mit ihnen und in ihnen will er Gott finden: „Lebt alle wie ein Herz und eine Seele zusammen und ehrt gegenseitig in euch Gott; denn jeder von euch ist sein Tempel geworden“ (Regel, 1. Kapitel) – uns Augustiner reizen Augustinus und dieser Aufruf bis heute. Mehr über Augustinus finden Sie hier.

Zentrum für Augustinusforschung und Bibliotheca Augustiniana

Augustinus bewegt nicht nur uns Augustiner, sondern auch viele andere Menschen bis heute, und deswegen gibt es in den Räumen unseres Klosters ein eigenes Institut, das sich in Kooperation mit der Universität Würzburg wissenschaftlich mit Augustinus auseinandersetzt, und eine öffentlich zugängliche Spezialbibliothek, die nach Möglichkeit alles sammelt, was über Augustinus und den Augustinerorden geschrieben wurde und wird, und das ist eine ganze Menge …