»Ich will, dass Du bist!«

So wird jeder begrüßt, der die Augustinerkirche durch den Haupteingang vom Dominikanerplatz her betritt. Der Satz, der in freier Anlehnung einen Gedanken des heiligen Augustinus aufgreift, möchte daran erinnern: Gott hat einen jeden und eine jede ins Dasein gerufen, ohne irgendeine Vorleistung unsererseits – denn wie sollte einer dem gegenüber irgendetwas vorzuweisen haben, vom dem er das Dasein hat (vgl. Augustinus, Über den freien Willen 3,45)? Genau so soll jede und jeder in der Kirche sich willkommen fühlen und da sein dürfen, unabhängig von dem, was er hat oder kann, und ist eingeladen, neuen Mut zum Dasein zu schöpfen. Was würde auch mehr zum Sein ermutigen als eine Liebeserklärung? Und um eine solche Liebeserklärung Gottes handelt es sich bei „Ich will, dass du bist“. Denn für Augustinus heißt genau das jemanden lieben – wollen, dass er sei: „Und was immer du liebst, von dem willst du auch, dass es sei“ (Predigt Lambot 27,3).

Der Kirchenraum

Im Hauptschiff der Augustinerkirche versammelt sich die Gemeinde zum Gottesdienst umeinander und um den Altar und das Wort Gottes. Alle begegnen dabei einander und dem Gott, der sie zusammengerufen hat, auf Augenhöhe. Möglich ist das, weil Jesus Christus nicht daran festgehalten hat, wie Gott zu sein, sondern uns Menschen gleich wurde (vgl. Phil 2,6 f.).  Der Raum ruft in Erinnerung, dass es in der Nachfolge Christi keine Statusunterschiede mehr gibt, wie Paulus den ersten christlichen Gemeinden ins Stammbuch geschrieben hat: „Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau, denn ihr alle seid einer in Jesus Christus“ (Gal 3,28).

ZwischenRaum

Wenn ich traurig bin – wenn meine Welt zerbricht – wenn ich nach Neuem Ausschau halte, dann möchte der ZwischenRaum am Eingang der Kirche dazu Raum geben. Für die Trauer um den Tod eines lieben Menschen ebenso wie für die Trauer um den Verlust des Arbeitsplatzes, das Zerbrechen einer Beziehung, eines Lebensplanes, meiner Hoffnung oder … oder … Was immer zu einer solchen Situation dazugehört – Trauer, Schmerz, Wut – darf hier sein und seinen Ausdruck finden. Die goldene Wand mag vielleicht eine Ahnung davon geben, dass Gott sich uns auch in einer solchen Krisenzeit zuwendet, auch wenn wir wenig Konkretes davon verspüren. Auf jeden Fall aber gibt sie zu verstehen: Du bist wertvoll.

Das Buch der Namen und die Kerzen laden dazu ein, einem Menschen hier einen Platz zu geben und für ihn oder sie ein Licht zu entzünden.

Die Figur an der Rückwand des Zwischenraumes zeigt an, dass niemand mit seiner Trauer ganz alleine gelassen wird, sondern dass Christus, der ein Mensch wie wir geworden ist, mit uns solidarisch ist. Und auch er hat, wie die Wundmale an Händen und Füßen zeigen, aus diesem Menschenleben seine Verwundungen davongetragen …

Tabernakel und Kapelle der schmerzhaften Muttergottes

In der rechten Seitenkapelle unserer Kirche steht der Tabernakel mit dem in der Eucharistiefeier geweihten und gebrochenen Brot: „mein Leib, hingegeben für euch“ (Lk 22,19) so hat Jesus selbst in der Nacht vor seinem Tod davon gesagt, und darum ist es für uns das Brot des Lebens. Auf dem Altar in dieser Kapelle, dem einzigen, der den 2. Weltkrieg überlebt hat, steht die Figur der schmerzhaften Muttergottes: Maria trägt ihren toten Sohn auf dem Schoß. Das stellt ganz bildlich vor Augen, was es mit dem Brot im Tabernakel auf sich hat: Leib Christi, Brot des Lebens für uns.

Die Stühle und Kniebänke laden zum Verweilen und zum Gebet vor dem Tabernakel ein. Und wer es etwas Verborgener möchte: In der Kapelle selbst, hinter dem Bogen ganz versteckt, ist auch noch ein Platz – der wahrscheinlich privateste Ort in unserer Kirche.

Das neue Jerusalem

Die Straßen aus Gold, die zwölf Tore aus zwölf Perlen und die Grundsteine aus Edelsteinen – so beschreibt die Offenbarung des Johannes, das letzte Buch der Bibel, die „heilige Stadt Jerusalem, wie sie von Gott her aus dem Himmel herabkam“ (Offb 21,10), und zeigt so, was uns von Gott her endgültig zugedacht ist: das Kostbarste, was es gibt, in Hülle und Fülle. Die seltenen Materialien, die damals wie heute dazu verwendet werden, einen besonderen Status und ein besonderes Ansehen zu demonstrieren und sich so von anderen abzugrenzen, werden dort zu Baustoffen: Das Gold liegt auf der Straße. Abgrenzungen und Ausgrenzungen sind damit nicht mehr möglich – und auch gar nicht nötig, denn die Würde, die wir bei Gott haben, ist unerschöpflich.

Kreuzweg

„Sein Leben war das eines Menschen; er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz.“ (Phil 2,7 f.) Jesus wurde Mensch, und mit menschlichen Augen schaute er auf unsere Welt und die, die ihm darin begegnet sind. Weil er unseren Blickwinkel geteilt hat, können auch wir versuchen, uns in ihn hineinzuversetzen und ihm so nahezukommen. Der Kreuzweg von Jacques Gassmann in der Augustinerkirche lädt dazu auf eine besondere Weise ein, denn er vollzieht einen Perspektivwechsel: Er eröffnet nicht, wie bisher meist üblich, den Blick auf Jesus und die Menschen um ihn herum, sondern nimmt den Blickwinkel Jesu ein. Entsprechend wird dem Beter vor Augen gestellt, was Jesus bei seinem Kreuzweg gesehen haben könnte: den vor ihm stehenden Pilatus und die anonyme Masse bei der Verurteilung (1. Station), die Mutter (4.), die weinenden Frauen (8.) – und immer wieder das Kreuz.

Der Kreuzweg möchte so einladen, die Erfahrungen Jesu auf seinem letzten Weg nachzuvollziehen. Und vielleicht füllen sich die Bilder mit eigenen Erfahrungen: Überlastung, Ohnmacht und Zusammenbruch, aber auch Zuwendung und Unterstützung – und ganz am Ende vielleicht auch die Ahnung des endgültigen Durchbruchs ins Licht …

Ein kostenloses Heft, das am Schriftenstand der Kirche ausliegt, benennt die zwölf Stationen des Kreuzwegs und gibt für jede ein mögliches Leitwort für die Betrachtung mit auf den Weg.

Ritakapelle

Geborgenheit und Beistand erleben, gerade auch in besonders bedrängenden und schweren Momenten: Viele Beterinnen und Beter suchen und finden diese Erfahrung in der Ritakapelle, der linken Seitenkapelle unserer Kirche. Bei der heiligen Rita von Cascia fühlen sie sich mit ihren Sorgen und ihrem Dank gut aufgehoben, und darum suchen sie ihre Nähe.

Mehr über die heilige Rita

Maria

An dem dem Eingang zugelegenen Ende der Ellipse steht Maria, die Mutter Jesu – eine Figur von Jakob van der Auwera (um 1720) aus der alten Augustinerkirche. Mit nackten Füßen steht sie, das unbekannte Mädchen aus Nazareth, auf dem harten Stahl – so wie wir auf dem manchmal harten Boden unseres Daseins stehen. Mit einem kostbaren Mantel aus Gold ist sie umkleidet, weil sie in Gottes Augen unendlich wertvoll ist – auch so wie wir?

Gleich im Eingangsbereich unserer Kirche hängen zwei weitere Marienbilder: Maria vom Trost und Maria vom guten Rat. Sie laden ein, auch einmal auf die Schnelle in unserer Kirche vorbeizuschauen, ein Gebet zu sprechen, eine Kerze anzuzünden und dann in den Alltag draußen vor der Tür zurückzukehren.